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Glauben

Die Tür steht offen

Zur Jahreslosung 2022

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.
Johannes 6,37

 Ich habe da einmal eine Frage: „Machen Sie die Tür auf, wenn es klingelt, aber Sie niemanden erwartet haben?“

Elisabeth hat’s gemacht. Und das, obwohl sie frei hatte, noch den Morgenmantel trug und ihre Zähne nicht geputzt waren. Aber die Neugierde und die Hoffnung darauf, dass der Postbote mit einem Paket vor der Tür stand, siegten. Doch da war kein Postbote vor der Tür, sondern Jesus, der dringend eine Pause vom Weihnachtstrubel brauchte. Also ließ sie ihn hinein, und Jesus verschnaufte in Elisabeths Küche bei Kaffee und Keksen. Und sie unterhielten sich über den Stress der Adventszeit, über das, was sie sich zu Weihnachten wünschen und über ihre Pläne für den Heiligen Abend. Jesu Plan war der gleiche wie seit 2000 Jahren: Frieden bringen. Elisabeth schien wenig begeistert, denn sie fand, dass Jesus damit bisher nicht sehr erfolgreich war. Jesus antwortete: „Wenn ein Herz zu ist, nützt es nichts. Dann komme ich nicht rein. Das ist wie eine geschlossene Tür. Ich kann es nur davor ablegen.“ (Dies ist eine kurze Zusammenfassung der Geschichte „Jesus klingelt“ von Susanne Niemeyer aus dem gleichnamigen Buch mit vielen weiteren kleinen Weihnachtsgeschichten.)

Okay, das mit der einen Frage war geflunkert. Ich habe eigentlich drei. Hier kommt die zweite: Klingeln Sie bei anderen, ohne sich vorher angekündigt zu haben?

Jesus hat’s gemacht. Nicht nur bei Elisabeth, sondern bei jedem von uns. Denn an Weihnachten feiern wir genau das: Jesus kam in unsere Welt, um für uns da zu sein. Um immer wieder bei uns anzuklopfen und uns davon zu erzählen, wie sehr er, wie sehr Gott uns liebt. Und Jesus ist es dabei völlig egal, wie es gerade bei uns aussieht, wenn er zu uns kommt. Ihm ist es egal, ob wir noch im Morgenmantel sind oder ob die Weihnachtsdeko schon hängt. Ihm ist es egal, ob gerade das Chaos in unseren Häusern oder in unseren Herzen regiert. Er kommt ja gerade deshalb zu uns: Um uns Frieden zu bringen und das Chaos zu beseitigen. Natürlich ist es uns meistens unangenehm, wenn Besuch kommt und wir nicht vorbereitet sind. Es ist schöner, wenn wir uns äußerlich und innerlich auf den Besuch einstellen konnten – auch für die Besucher und Besucherinnen selbst. Doch die schönsten Überraschungen geschehen nun einmal unangekündigt. Es wäre schade, wenn wir unsere Türen vor ihnen verschließen würden.

Und nun zu Frage 3: Wurden Sie schon einmal an der Tür abgewiesen?

Das ist ein unangenehmes Gefühl, das Jesus wahrscheinlich nur zu gut kennt. So oft stand er schon vor verschlossenen Türen. So oft schon hat er sein Geschenk, seine Botschaft von der Liebe Gottes, draußen ablegen müssen. Vielleicht hat er auch gerade deshalb versprochen, es anders zu machen. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen,“ hat er gesagt und sich dann daran gehalten. Dieser Vers aus dem Johannesevangelium ist die Jahreslosung für 2022. Jesus weist niemanden ab, wir sind bei ihm immer willkommen. Auch dann, wenn wir unangekündigt bei ihm auftauchen. Es muss ja nicht immer Jesus sein, der bei uns klingelt. Wir sollten uns öfter einmal auf dem Weg zu ihm machen. Ich finde, das ist eine gute Idee und ein guter Vorsatz fürs neue Jahr!

 

 

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Foto: M. Raßmann