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Glauben

01-10 Römer 12,1-3

Liebe Leserinnen und Leser,

SIE fehlen mir. SIE als MENSCHEN und gleichermaßen die GOTTESDIENSTE, die wir gemeinsam feiern. Das GEMEINSAME Feiern fehlt mir. Es ist durch nichts gleichwertig zu ersetzen. Vielleicht empfinden Sie das ähnlich.

Manchmal spüren wir erst, wie wichtig uns Menschen, Dinge und Ereignisse sind, wenn sie nicht mehr da sind. Die Macht der Gewohnheit dämpft unser Gespür für das, was unser Leben reich macht.

Für mich gehören die Gottesdienste zu diesem Reichtum hinzu. Sie sind Orte der Begegnung; Gelegenheiten, zur Ruhe zu kommen; Möglichkeiten des Hörens auf die leisen Töne des Lebens. In ihnen erschließt sich, was mein Leben trägt – ohne dass ich in Vorleistung treten muss.

Wenn meine Gedanken dann einmal eigene Wege gehen, ist das nicht schlimm. Denn ich bin im Gottesdienst getragen vom großen Miteinander unterschiedlichster Menschen, die hier und heute mit mir feiern.

Zugleich aber ist diese Gemeinschaft weit größer als jede Gemeinde, die sich sonntags zum Gottesdienst versammelt. Auch das ist für mich von großer Bedeutung. Es trägt mich, wenn mir die Zeit, die Kraft, die Ruhe fehlen, Gottesdienst zu feiern. Besonders deutlich ist mir das unter der Woche. Aber genau dann läuten ja mittags und abends unsere Glocken. Sie rufen zum Gebet. Sie erinnern mich daran, dass an anderen Orten Christen wie wir gerade Gottesdienst feiern. Manchmal gibt mir das den Anstoß, wenigstens für einen Augenblick still zu werden. Das tut mir dann besonders gut.

Aus meinen Gedanken spüren sie vielleicht: Gottesdienst heißt für mich nicht, dass ich Gott sonntags um 10.45 besonders zu dienen habe. Ganz im Gegenteil: in den Gottesdiensten konzentriert sich der Dienst, den Gott UNS schon immer tut, in besonderer Weise.

Tragend, vergebend, tröstend, sinnstiftend und deshalb motivierend!

Wenn Gott schon alles für uns getan hat, was bleibt uns dann noch zu tun? Was wird aus unserem Dienst an Gott?

Kurz: unter den derzeitigen Bedingungen hielt und halte ich es für vernünftig, in aller Freiheit von dieser großartigen Freiheit der Religionsausübung keinen Gebrauch zu machen.

Wir dienen damit nach meiner Überzeugung den Menschen, weil wir ihre (und Ihre!) Gesundheit schützen. Zu viele - auch aus unserer Mitte - sind schon erkrankt. Und zu viele sind (gerade in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen) schon über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus belastet.

Wie kann ich da vernünftig sagen: „Verzichtet auf alle Kontakte, auch in Euren Familien, aber in die Gottesdienste dürft ihr ruhig kommen“?

Dass damit auch ein schmerzhafter Verzicht für uns alle verbunden war und ist, dessen bin ich  mir bewusst. Und es tut mir herzlich leid für alle, denen unsere Gottesdienste gefehlt haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt. Aber wir alle sollen wissen: es hängt weder unser Heil noch das Heil der Welt daran, dass wir uns in der Kirche treffen. Wir müssen nicht. Wir dürfen. Und wir dürfen auch manchmal nicht – ohne dass davon die Welt untergeht.

Umso mehr aber freue ich mich darauf, bald wieder mit Ihnen „Auge in Auge“ Gottesdienst feiern zu können! Bleiben Sie gesund. Und achten Sie um Gottes Willen auf sich und Ihre Nächsten.

Ihr Joachim Lauterjung

 

 

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