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Glauben

Wer Euch hört, der hört mich

„Wer Euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Lukas 10,16

Was für ein Anspruch! Was für eine Herausforderung, mit der uns Jesus da konfrontiert! Und zwar nicht nur die Ordinierten, die Kirchenleitungen und die Theologen, sondern alle Christen.

Sind wir damit nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt? Wie ist es um unsere Glaubwürdigkeit bestellt? Wäre angesichts der Aufgabe, als Bevollmächtige Jesu – und in letzter Konsequenz als Bevollmächtigte Gottes nicht Schweigen Gold?

Für Jesus ist das keine Alternative. Die Liebe Gottes darf nicht verschwiegen werden.

Reden sollen wir. Denn auch Schweigen kann beredt ist. Handeln sollen wir, weil eine Tat oft mehr sagt als tausend Worte. Und begründen sollen wir unser Handeln. Denn Reden und Handeln können missverständlich sein.

Es gibt wahrlich genug in dieser Welt, wozu nicht geschwiegen werden darf. Reden mag riskant sein. Schweigen ist oft genug riskanter. Handeln mag gefährlich sein, Untätigkeit ist gefährlicher.

Den Preis der Lieblosigkeit zahlen nicht nur wir. Vor allem zahlen ihn die Opfer: die missbrauchten Kinder und all die vielen Menschen, denen die Luft zum Atmen genommen wird.

Ohne sprechende Taten ist der Glauben hohl. „Ein dröhnender Gong oder ein schepperndes Becken“, wie es der Apostel Paulus in seinem berühmten „Hohen-Lied der Liebe“ (1. Kor. 13) formuliert.

Ja, all das ist eine Herausforderung. Aber die Worte Jesu sind auch eine große Ermutigung. ER traut uns etwas zu. Und vor allem: der, der uns herausfordert, ist zu zutiefst solidarisch. Denn er hat sich schon längst mit allen Opfern und mit allen Leidenden identifiziert.

Ihr Joachim Lauterjung

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epd-bild / Marion Linzmeier-Mehn