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Glauben

Gerechtigkeit

Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen. (Psalm 35,28)

Die Jünger kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott. (Lukas 24,52-53)

Die Waage hoch gen Himmel gereckt, das bedrohliche Schwert friedlich nach unten gesenkt und vor allem mit verbundenen Augen. - Stolz steht sie da unter den Tugenden: die Gerechtigkeit! An Rathäusern, Kirchen, Gerichten, öffentlichen Plätzen. Nicht umsonst ist sie oft überaus attraktiv als junge Frau dargestellt. Ein Sinnbild der Sehnsucht aber auch der Ermahnung haben wir sie vor Augen.

„Das ist ungerecht“, sagen die Kinder, wenn die Teller unterschiedlich gefüllt sind. „Ich will gerecht behandelt werden“, sagt der Angeklagte vor Gericht. „Gerechten Lohn“ fordern die Gewerkschaften. „Gerechtigkeit gegenüber jedermann" zu üben verspricht nach unserer Verfassung das Staatsoberhaupt bei der Einführung. (Art. 56) - Ja, von Gerechtigkeit wird jederzeit gesprochen. Und über ihre Maßstäbe wird ständig gestritten – denn die sind das eigentliche Problem.

Das wird deutlich, solange die Suche nach Gerechtigkeit zu Gewinnern und Verlierern führt. Dass Gerechtigkeit und Friede einander küssen, kündigt Psalm 85 erst für den „Himmel“ an. Also, so meine ich, könnte es sich lohnen, auch nach himmlischen Maßstäben für „Gerechtigkeit“ Ausschau zu halten. Denn wenn die gefunden sind, kehren nicht nur die Jünger zurück mit großer Freude und preisen Gott.

Wie Gottes Gerechtigkeit aussieht? Schön natürlich. Und nicht bedrohlich. Das hat Martin Luther 1517 neu entdeckt: Gottes Gerechtigkeit urteilt ohne Ansehen der Person. Er sieht nur sein Geschöpf, den Menschen. Er urteilt über uns, indem er seine Liebe zu unseren Gunsten in Waagschale legt. Und die wiegt schwerer als alles andere.

Ihr Joachim Lauterjung

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