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Glauben

Vom Zuhören

Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört, unsre Väter haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters. (Psalm 44,2) 

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. (Lukas 10,39)

Einfach nur zuhören! Das ist manchmal nicht leicht. Es nötigt uns, für einen Augenblick von uns abzusehen.

In glücklichen Augenblicken aber sind wir, gerade wenn wir zuhören, ganz bei uns selbst. Dann sind wir in eine Erzählung versunken. Wir werden Teil der Geschichte. Und das meine ich im doppelten Sinne. Und umgekehrt gilt: wenn wir immer nur von uns selber reden, laufen wir Gefahr, uns darin zu verlieren. Und auch das bitte ich, doppeldeutig zu verstehen.

Mir geht ein kurzer Text durch den Kopf, den ich irgendwann einmal gelesen habe. Ich weiß nicht mehr, wann und wo. Gemerkt aber habe ich mir Folgendes:

Zum Abt eines Klosters kommt jemand, der in das Kloster eintreten möchte. Der Abt fragt ihn, was er im Kloster am dringendsten wolle. Die Antwort ist lang: der junge Mann erzählt was er alles schon getan, erreicht und gedacht hat. Er erzählt ohne Ende. Dann steht der Abt auf, er bietet seinem Gegenüber einen Tee an, stellt eine mit heißem Wasser gefüllte Tasse auf den Tisch, holt die Teekanne und beginnt zu schütten. Natürlich läuft die Tasse sofort über. Der Gast ist irritiert und fragt, was das solle. Ob der Abt nicht sehe, dass die Tasse schon lange voll sei.

„Doch“, antwortet der weise Mann, „aber mit Dir ist es wie mit der Tasse. Du redest von der Leere in Dir, aber zugleich redest Du, als seist Du schon übervoll. Wie soll da noch etwas Neues, Fremdes in Dein Herz passen?“

Zuhören lohnt sich. Gott zuhören lohnt sich erst recht.

Ihr Joachim Lauterjung

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PAX Christi Kirche Essen-Steele - Toni Zenz: Der Hörende (Foto: Joachim Lauterjung)